Siebel: Darmstadt braucht mehr Bildungsgerechtigkeit

Darmstadt braucht mehr Bildungsgerechtigkeit
Darmstadt braucht mehr Bildungsgerechtigkeit
Tobias Reis und Michael Siebel (v.l.) forderten Korrekturen an der Ausrichtung der Bildungslandschaft in darmstadt. Foto: SPD-Fraktion DA

29.04.2019 | SPD fordert Kurskorrekturen an der Ausrichtung der Bildungslandschaft in Darmstadt: Nach Auffassung der SPD Stadtverordnetenfraktion stellt der erste Bildungsbericht  eine gute Aufarbeitung des bestehenden Zahlenmaterials dar. Die Stadt hat mit Stakeholdern und Bürger*innen einen Beteiligungsprozess zur Erarbeitung von Konsequenzen aus dem Bildungsbericht begonnen. „Jetzt beginne aber erst die Arbeit“, sagte der auch für Bildungsfragen zuständige Stadtverordnete Tobias Reis.  Die SPD habe sich auf den Weg gemacht und 6 Konsequenzen aus dem Bericht gezogen. Diese Stellungnahme wird die SPD Fraktion hiermit in die weitere Diskussion mit allen Beteiligten einbringen.

„Wir brauchen mehr Bildungsgerechtigkeit. Unsere wichtigsten Forderungen sind deshalb: Die besten Schulen müssen dort entwickelt werden, wo durch soziale Ungleichheit die Kinder am meisten und besten gefördert werden müssen. Das ist dort, wo der Sozialindex ungünstig ist, wo viele vornehmlich nicht-deutschsprachige Familien und Alleinerziehende leben“, sagte Siebel. Deshalb ist auch die Forderung konsequent, dass die Sprachkompetenz ausgebaut werden muss und die nächste weiterführende Schule eine integrierte Gesamtschule sein muss“, so Siebel.

Für Tobias Reis ist besonders erschreckend, dass 20% der Schüler*innen in der Dualen Ausbildung keinen Abschluss erreichen. „Deshalb brauche wir hier eine Offensive zur Förderung der Dualen Ausbildung. Das betrifft vornehmlich auch die, für die unsere Partei da ist“, sagte Reis.

Schließlich müsste der non-formalen Bildung mehr Raum gegeben werden und hauptsächlich Verbindlichkeit. „Wir verlieren uns zu sehr in Projekttitis. Beispielsweise muss Medienpädagogik in allen non-formalen Bildungseinrichtungen fester Bestandteil sein“, so Siebel.

Die beste Methode, eine Bildungslandschaft gerecht zu entwickeln, ist nach Aussage der SPD auch hier der sozialräumliche Ansatz. Deshalb setzt sich Siebel auch für die sogenannte aufsuchende politische Bildungsarbeit in Darmstadt ein.

Die Forderungen der SPD im Einzelnen:

  1. Der Bildungsbericht hat gezeigt, dass die Verweildauer von Kindern mit vorwiegend nichtdeutscher Familiensprache deutlich geringer ist als von Kindern, die aus Familien mit vorwiegend deutscher Sprache kommen. 23% der Kinder mit nichtdeutschem Familiensprachenhintergrund besuchen den Kindergarten weniger als 4 Stunden und 77,6% besuchen den Kindergarten weniger als 10 Monate. Die Sprachkompetenz korreliert direkt mit dem Migrationshintergrund und der Verweildauer im Kindergarten.

Dazu kommt, dass circa 50% der Kinder, deren Eltern SGB II beziehen in 6 Stadtteilen leben. Da Bildung immer noch stark von der Sozialen Herkunft abhängig ist, muss man früh genug ansetzen, um eine Chancengleichheit herstellen zu können.

Zur Förderung der Sprachkompetenz im frühen Kindesalter muss gerade für diese Kinder die Verweildauer im Kindergarten verlängert werden.

  • Vorlaufkurse zur Verbesserung der Deutschkenntnisse
  • Beratung über das deutsche Bildungs- und Schulsystem
  • Obligatorische Sprachförderung an allen Kitas
  • Alle Kitas zu Familienzentren machen
  1. Es gibt in Darmstadt eine Reihe von non-formalen und informellen Lernformen und Lernorten. Das Jugendbildungswerk, die Mitgliedsorganisationen des Stadtschülerinnenrats aber auch viele weitere Träger engagieren sich mit Projekten und Maßnahmen. Dazu gehören auch Ferienspiele, das Umwelt- und das Mediendiplom. Aber die außerschulische, non-formale und informelle Bildungsarbeit wird häufig dann aufgerufen, wenn „etwas vorgefallen“ ist. Das gilt für den Medienbereich (Storking) wie auch für normverletzendes Verhalten von Jugendlichen.

Wir wollen eine systematische Förderung der non-formalen Bildungsarbeit und des informellen Lernens. Dazu müssen die Daten des Bildungsberichts weiter verbessert werden um qualitative Interviews und eine Erhebung informeller Lernorte in Darmstadt.

  • Förderung aufsuchender politischer Bildungsarbeit
  • Identifikation von informellen Lernorten
  • Ausbau der bestehenden Strukturen (JBW, freie Träger, Medienbildung…)
  1. Im Hinblick auf die Entwicklung der Schüler*innenzahlen muss eine verlässliche Datengrundlage geschaffen werden. Die Stadt muss sich im Hinblick auf die tatsächlichen Entwicklungen der Schüler*innenzahlen ehrlich machen. Die Zahl von 700 – 800 zusätzlichen Schüler*innen in den Grundschulen basiert auf dem Erhebungsjahr 2016 (ohne Zuzug). Außerdem sin in den letzten Jahren Fachräume zu Klassenräumen an Grundschulen umgebaut werden. Dies ist vor allem unabdingbar, da bis zum Jahr 2030 ein Bevölkerungswachstum von 15 % prognostiziert wird.

Wir gehen davon aus, dass nach einer erneuten Datenerhebung ein erheblich größerer Bedarf an Grundschulneubauten angegangen werden muss, als die zu Zeit bearbeitet wird. Deshalb müssen weitere Grundschulstandorte entwickelt werden

  • Entwicklung neuer Raumkonzepte für Grundschulen, die dem Ausbau des Pakts für den Nachmittag entsprechen und geschlossene Konzepte der Ganztagsschulentwicklung ermöglichen
  • Identifikation neuer Grundschulstandorte um den tatsächlichen Bedarf an Grundschulplätzen in Darmstadt zu decken
  1. Wir können feststellen, dass die Schulbezirke mit hohem Anteil von Migrantenkindern in Stadtteilen liegen, in denen im Rahmen der Sozialberichterstattung auch ungünstige Sozialindizes gemessen wurden. Dies deutet darauf hin, dass zwischen Migrationshintergrund, Armut (z.B. alleinerziehende Mütter und Väter) und Wohnort ein Zusammenhang besteht.

Diese Stadtteile müssen mit besonders guten Kitas und Schulen ausgestattet werden. (Beste Schulen dort, wo Armut bekämpft werden muss). Förderprogramme der Stadt (und des Landes) müssen sich am Sozialindex orientieren.

  • Ausstattung aller Bibliotheken an den 5 Schulen in diesen Stadteilen mit Bibliotheken
  • Sonderzuweisungen von Stellen der Schulsozialarbeit an diese Schulen
  • Verbesserte Förderung in allen Programmbereichen (nicht Gießkanne)
  • Die nächste weiterführende Schule in Darmstadt muss eine Integrierte Gesamtschule sein (65% der Schüler*innen in Darmstadt besuchen ein Gymnasium, Hessendurchschnitt 50%)
  1. 20% der Schüler*innen in den dualen Ausbildungsgängen erreichen keinen Abschluss. Gleichzeitig sinkt (-7%) die Zahl der Berufsschüler*innen die dual ausgebildet werden. All jene, die einen Hochschulzugang anstreben (+14%) steigt.

Wir brauchen deshalb eine neue Offensive zur Förderung der dualen Ausbildung in Darmstadt

  • Die Berufsschulen müssen zügig ausgebaut und verbessert werden
  • Wir brauchen einen gemeinsamen Berufsschulentwicklungsplan mit den Landkreis Darmstadt Dieburg
  • Gemeinsam mit der Handwerkskammer und der IHK und den jeweiligen Innungen müssen Ausbildungsberufe wieder attraktiver gemacht werden
  • Des Weiteren muss das Ziel sein, einen zentralen und vor allem digitalen Ausbildungskatalog zu schaffen. Hintergrund ist, dass sich junge Leute fast ausschließlich online informieren und eher weniger Informationen durch etwaige Ausbildungsmessen in Betracht ziehen.
  1. Die Übergänge zwischen unterschiedlichen Bildungseinrichtungen sind unzureichend. Das belegen alle Zahlen des Bildungsberichts. Zwar gibt es löbliche Einzelprogramme wie OLOV oder JUSTiQ, aber die Übergänge zwischen Kindergärten und Grundschule, zwischen Grundschule und weiterführenden Schulen und Berufsschulen und zwischen Schulen in Ausbildung oder Beruf sind mangelhaft entwickelt

Wir brauchen ein strukturiertes Übergangsmanagement das folgende Elemente enthalten muss:

  • In Anlehnung an die Tandem Modelle die als Projekte aus dem Bildungs- und Erziehungsplan hervorgegangen sind brauche wir für alle Kitas und alle Grundschulen ein verbindliches Übergangsmanagement
  • Gerade für bildungsferne Schichten brauche wir an der Schnittstelle zwischen Grundschule und weiterführender Schule Beratung über die unterschiedlichen Bildungsgänge.
  • Während der Schulzeit in den weiterführenden Schulen muss es neben den obligatorischen Berufspraktika eine individuelle Übergangsbegleitung für alle Schüler*innen geben.
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