16.01.2012
Die Arheilger Sozialdemokraten ehrten am vergangenen Sonntag im gut besuchten Saal des „Goldenen Löwen“ langjährige Parteimitglieder auf ihrem traditionellen Neujahrsempfang. Ehrenurkunden für 50jährige Mitgliedschaft erhielten der ehemalige Oberbürgermeister Peter Benz, die beiden SPD-Stadtverordneten Horst-Adalbert Härter und Walter Schmidt sowie Michael Jeder, Volker Schlindwein und Andreas Weber.
Peter Benz erinnert an Ferdinand Lassalle: „Sagen, was ist!“
In
seiner Dankesrede verriet Peter Benz, dass er 1962 sogar die Schule
geschwänzt hatte, um bei der Partei vorzusprechen. Wenige Woche später
habe er stolz das Parteibuch erhalten. In seinem politischen Handeln sei
er stets einem Grundsatz Ferdinand Lassalles, einem Gründungsvater der
„alten Tante SPD“ gefolgt: „Das laut zu sagen, was ist!“ Und an
seinem Ehrentag folgte Peter Benz, der sich in den letzten Jahren als OB
im Ruhestand in der Kommentierung des politischen Alltags betont
zurückhielt, nochmals diesem Grundsatz:
„Als Sozialdemokraten
müssen wir das Ergebnis der letzten Kommunalwahl akzeptieren, Lehren
daraus ziehen, noch einmal neu fangen und nicht aufgeben, um für unser
Ziel der sozialen Gerechtigkeit zu streiten.“ Völlig unakzeptabel sei
aber, das Verhalten der Grünen: „Sie haben seit 1993 mit am
Regierungstisch des Magistrats gesessen und tun heute so, als hätten sie
mit den Entscheidungen der jüngeren Vergangenheit nichts zu
tun.“
Der SPD Ortsvereinsvorsitzende
Hanno Benz machte in seiner Begrüßung deutlich, dass erfolgreiche
Kommunalpolitik einen langen Atem brauche. Dies habe der Ausbau der
Straßenbahn und die Ansiedlung des neuen großen Lebensmittelmarktes im
Ortskern Arheilgens erneut belegt. Die SPD werde diesen langen Atem auch
bei der Forderung nach Umsiedlung von Polizei- und Feuerwehr an neuen
Standorten in Arheilgen unter Beweis stellen.
Die neuen
Mehrheiten in der Stadt seien mittlerweile auch von der Realität der
unterfinanzierten Kommunalhaushalte eingeholt worden. „Das Rezept der
Gebühren- und Steuererhöhungen treffe die Bürger hart, sei aber völlig
unzureichend. Die Einsparbemühungen wurden allein durch eine Erhöhung
der Umlage für den Landeswohlfahrtsverband nichtig gemacht.“
Kommunen müssen Aufgaben dauerhaft erfüllen können
Dr.
Jürgen Dieter, Direktor des Hessischen Städtetages und Festredner der
Veranstaltung, betonte, dass Kommunen mit der derzeitigen
Finanzausstattung ihre Gegenwartsaufgaben, geschweige denn die
Zukunftsaufgaben, bewältigen können. Er forderte: „Kommunen müssen in
die Lage versetzt werden, ihre Aufgaben dauerhaft erfüllen zu können.“
Als wesentliche Zukunftsaufgaben nannte Jürgen Dieter beispielsweise die
Sicherstellung der medizinischen Versorgung, speziell in den
Krankenhäusern, die Abwendung eines Pflegenotstandes in einer älter
werdenden Gesellschaft, den Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit und die
Verwirklichung der Energiewende.
Völlig unzureichend sei der
Entschuldungsfonds für Kommunen, den die hessische Landesregierung
einrichtet. Gut 100 hessische Kommunen und Landkreise, darunter auch
Darmstadt, könnten aus dem Fonds über 30 Jahre jährlich rund 110
Millionen Euro zur Entschuldung einsetzen. Andererseits habe die
Landesregierung aber den Kommunen über den kommunalen Finanzausgleich
und Steuerzuweisungen 350 Millionen Euro gestrichen.
Doch
Geld allein, ist kein Garant für eine tragfähige Kommunalpolitik,
verdeutlichte der kommunalpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion,
Michael Siebel. Hinzukommen müssten bürgerschaftliches Engagement,
Möglichkeiten der Teilhabe und ein gepflegtes Wertegerüst für das
Miteinander der Stadtgesellschaft. Fazit: Geld allein sichert keine
Zukunft, aber ohne Moos ist gar nichts los – auch in der
Kommunalpolitik.
Das Jazz-Duo sorgte während der Veranstaltung
für eine ansprechende musikalische Untermalung. Die Spenden für die
gereichten Getränke leitet die Arheilger SPD an die
Arbeiterwohlfahrt. Sie sollen zur anstehenden Sanierung des Spiel- und
Baumhauses im Bürgerpark beitragen. Das Baumhaus entstand vor Jahren im
Rahmen des Projektes „Baron auf den Bäumen“.
Für 40 Jahre
SPD-Parteimitgliedschaft wurden geehrt: Maria Arnoldt, Kurt Geider,
Brigitte Göbel, Hans Henning, Ludwig Jäger, Peter John, Peter
Lindscheid, Meta und Lothar Zurell sowie Heidi und Hans Weitzel. Ihr
25-jähriges Parteijubiläum feiert Henriette Bankoff und Friedrich
Puschner.